Kolbe - und wie weiter ? PDF Drucken

Zum unten angehängten Leserbrief möchte ich mich gern äußern, da ich persönlich angesprochen wurde. Mir wurde indirekt vorgeworfen, den finanziellen Aspekt der Problematik nicht im Blick zu haben. Dieser Eindruck entstand sicher durch die extrem verkürzte Darstellung meiner Beiträge durch die Presse in der sehr heftig geführten Diskussion.

Ich danke Herrn Dumke für seine Meinung. Sie macht deutlich, dass sich die Bürger in Waldheim mit den aktuellen Problemen und Entwicklungen in der Stadt befasst sind und sich einbringen.

Allerdings hat die sehr lange Zeitspanne, in der Kolbe nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde, zu sehr vielen Fehlinformationen geführt.

Wir als Stadt haben eine Schenkung übernommen, welche mit Verpflichtungen verbunden ist. Diese Verpflichtungen sind eindeutig in dem geschlossenen Schenkungsvertrag geregelt. Unter anderem ist dort festgehalten, dass wir die Sammlung geschlossen und dauerhaft und angemessen zu präsentieren haben.

Nun kann man nicht die Vision "KOLBE-STADT-WALDHEIM" formulieren und dann nichts dafür tun. So ist die Meinung, dass wir Kolbe eigentlich nur in der Bahnhofstraße 2 angemessen ausstellen können keine explizite Meinung der FDP-Fraktion, sondern die Einsicht vieler Stadträte, dass man ein solches Projekt nicht halbherzig und lieblos angehen kann. Dies wäre aber der Fall, wenn man Kolbe irgendwo "dazu" stellt. Auch ist eine Diskussion bezüglich des Napoleon-Hauses in der Verbindung mit Kolbe absolut nicht zielführend.

Dies sind zwei Projekte der Stadt, welche in direkter Linie nichts mit einander gemein haben. In einem späteren Zusammenhang bzw. in der Gesamtbetrachtung der Kulturlandschaft in Waldheim sieht dies vielleicht anders aus, aber aktuellen Punkt, nämlich Kolbe, bringt uns dies nicht weiter.

Her Dumke hat vollkommen recht, dass die Kultur eine reine Freiwilligkeitsaufgabe der Stadt ist. Aber ebenso waren der Bau der Stadtsporthalle, der Umgehungsstraße oder des Gewerbegebietes in erster Linie politische Entscheidungen, zu der die Stadt nicht verpflichtet ist. Nein, sie machen unsere Stadt lebenswert und interessant. Genau dieser Geist, und eine Vision sollte die Diskussion um eine angemessene Ausstellung der Kolbe-Werke tragen.

Und erlauben Sie mir moch ein Wort zu den Kosten: Der Stadtrat ist sich einig, dass wir Kolbe ausstellen werden. Wir haben für die Bahnhofstraße 2 eine Mietoption über 3 bzw 5 Jahre.

Mit einem im Verhältnis zur Gesamtsumme für die Ausstellung eher geringem Mehraufwand sind wir in der Lage eine Ausstellung zu präsentieren, welche auch nach Meinung der Kunstverantwortlichen in Kreis und Land, seines Gleichen in Sachsen sucht.

Um es mit einfachen Worten auszudrücken, wir würden kulturell von den Kreisklasse in die 2. Bundesliga aufsteigen.

Und das sollte uns doch einen monatlichen Mehraufwand von ca. 1700,- € wert sein.

Ich hoffe, dass wir am 24.11.2011 zur richtigen und visionären Entscheidung kommen, denn nichts wäre ungünstiger, als wenn wir Kolbes Namen für unsere Stadt für unsere Stadt beanspruchen, aber die Werke des größten Waldheimer Künstlers irgendwo "dazustellen".

Und mit dem großen Glück diéser Mietmöglichkeit sind wir in der Lage ohne Druck an unserem Gesamtkonzept zu feilen und ein starkes Marketingkonzept zu erarbeiten.

Ich hoffe, dass wir auch bei anderen Themen so sachlich und ruhig Standpunkte und Meinungen kund tun, wie dies Herr Dumke hier bewiesen hat.

Wir sollten die Chance die sich für uns bietet, mit aller Kraft anpacken und nutzen, denn am meisten schmerzen die verpassten Möglichkeiten.

Vielen Dank

 

Sandro Dierbeck

 

Leserbrief am 12.11.2011 in der DAZ

Zum Beitrag „Die unendliche Kolbe-Geschichte“
vom 5. November 2011:

Herr Stadtrat Dierbeck forderte dieStadträte auf, nicht nur aufs Geld zu schauen, wenn es um die repräsentative Ausstellung der Werke von Kolbe geht. Er bezieht sich dabei auf Projekte wie Gewerbegebiet, Umgehungsstraße und Stadtsporthalle, die aus seiner Sicht nicht realisiert
worden wären, hätte man damals immer nur aufs Geld geschaut. Dies auf die Kolbe-Angelegenheit zu beziehen, bedeutet aus meiner Sicht, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. In Bezug auf die oben genannten Projekte fielen die in eine Zeit, in der sich die neuen Länder im Aufbruch befanden
und das Geld etwas reichlicher floss als heute. Die Kolbe-Angelegenheit aber gehört in die Mappe Kultur und fällt in eine Zeit nicht gerade berauschender Konjunktur. Kultur ist nun mal (leider) keine
Pflichtaufgabe der Stadt. Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, wie vehement die FDP-Fraktion das Gebäude Bahnhofstraße 2 als Standort für die Kolbe-Ausstellung favorisiert. Der Rückkauf ist aus heutiger Sicht unakzeptabel, und die Anmietung des Gebäudes für eine Interimslösung zu teuer. Herrn Stadtrat Pfeifer hätte ich gern zugerufen, dass die Waldheimer sehr wohl viel für Kolbe
übrig hatten und sicher auch noch haben. Professor Georg Kolbe wurde 1937 Ehrenbürger der Stadt Waldheim. Wenn es der Schenkerin, Maria Freifrau von Tiesenhausen mit der Schenkung an Waldheim ernst ist, was ich keinesfalls bezweifle, wird sie die Besonnenheit des Stadtrats akzeptieren und die Schenkung nicht rückgängig machen. Ein nochmaliges Gespräch (nicht
am Telefon) zwischen der Schenkerin, dem Bürgermeister und einem berufenen Stadtrat würde immer noch sehr viel weniger Geld verschlingen als ein Schnellschuss. Nun muss 24. November der Stadtrat abstimmen, an welchem Ort innerhalb der Stadtgrenzen Waldheims die Ausstellung zu sehen sein soll. Nach wie vor bin ich der festen Überzeugung, dass die Burg Kriebstein zukunftsträchtig den wirtschaftlichsten, werbewirksamsten und repräsentativsten Standort darstellt. Wenn ich auf Reisen nach meinem Wohnort gefragt werde und die Leute Waldheim hören, bringen
sie diese Stadt immer auch mit der Burg in Verbindung. Und warum soll 2012 nicht gehen, was 1997 wunderbar funktioniert hatte, als anlässlich des 120. Geburtstages des Meisters über 50 Originalwerke in der Burg zur Präsentation kamen. Für mich gibt es keinen Zweifel daran, dass sich die Burg eines Tages innerhalb der Stadtgrenzen Waldheims befinden wird. Wird die Sonderausstellung jetzt in der Burg gezeigt und dann dauerhaft dort bleiben können, benötigen wir keine teure Interimslösung. Bezug nehmend auf die Äußerungen von Frau Dr. Klecker und dem Bürgermeister der Stadt Wurzen während der Podiumsdiskussion im Ratskeller appelliere ich an
den Stadtrat Waldheims, eine Entscheidung mit Augenmaß zu treffen.
Joachim Dumke, Reinsdorf